immanto.de

Immobilien kaufen

Wohnung Frankfurt kaufen: Neubau und Bestand

Beim Wohnungskauf in Frankfurt entscheiden Lage, Baujahr und Nebenkosten über Neubau oder Bestand – hier die wichtigsten Schritte und Kosten.

Julia Hoffmann 6 Min. Lesezeit

Wohnung Frankfurt kaufen: Neubau und Bestand

Wer eine Wohnung in Frankfurt kaufen möchte, steht früh vor einer Grundsatzentscheidung: Neubau oder Bestand. Beide Varianten unterscheiden sich deutlich bei Preis, Zustand, Finanzierungsablauf und den Risiken, die während des Kaufprozesses typischerweise auftreten. Dieser Artikel geht gezielt auf diese Unterschiede sowie auf Ablauf, Nebenkosten und häufige Fehler ein, ohne den allgemeinen Frankfurter Immobilienmarkt noch einmal komplett aufzurollen.

Neubau oder Bestand: Preise, Lage und Zustand im Vergleich

Neubauwohnungen konzentrieren sich in Frankfurt vor allem auf Entwicklungsgebiete wie das Europaviertel, den Riedberg, Gateway Gardens oder das Hafenpark-Areal. Sie punkten mit modernen Grundrissen, aktueller Energieeffizienz und Gewährleistungsansprüchen gegenüber dem Bauträger, kosten pro Quadratmeter aber meist spürbar mehr als vergleichbare Bestandsobjekte in ähnlicher Lage. Wer früh im Baufortschritt kauft, kauft oft nach Plan – die Wohnung existiert dann nur auf dem Papier, und Fertigstellungstermine verschieben sich in der Praxis häufiger als im Exposé versprochen.

Bestandswohnungen finden sich stärker in etablierten Vierteln wie Westend, Nordend, Sachsenhausen oder Bornheim. Hier zahlt man für Lage, Bausubstanz und oft großzügigere Altbau-Raumhöhen, muss aber Modernisierungsbedarf einkalkulieren: Heizung, Fenster, Elektrik oder Bad sind bei Objekten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren häufig noch original. Ein aktueller Energieausweis und ein Blick in die Protokolle der Eigentümerversammlung zeigen, ob größere Sanierungen bereits beschlossen oder absehbar sind.

  • Neubau: höherer Kaufpreis, moderne Standards, Bauträgerrisiko, oft Ratenzahlung nach Baufortschritt
  • Bestand: meist günstiger pro Quadratmeter, gewachsene Lage, Sanierungsbedarf und WEG-Historie prüfen

Wer beide Varianten parallel besichtigt, sollte Vergleichbares vergleichen: Kaufpreis pro Quadratmeter ist wenig aussagekräftig, wenn eine Wohnung sanierungsfrei ist und die andere in fünf Jahren eine Sonderumlage für die Fassade erwarten lässt.

Ablauf des Wohnungskaufs Schritt für Schritt

Der Prozess läuft bei Neubau und Bestand im Kern ähnlich ab, unterscheidet sich aber in Details. Ein realistischer Ablauf sieht so aus:

  1. Finanzierungsrahmen klären: Vor der ersten Besichtigung sollte eine Finanzierungsbestätigung der Bank vorliegen – ohne sie werden ernsthafte Interessenten bei begehrten Objekten oft gar nicht erst berücksichtigt.
  2. Exposé und Unterlagen prüfen: Teilungserklärung, Grundbuchauszug, bei Bestand zusätzlich Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen und die Höhe der Instandhaltungsrücklage anfordern.
  3. Besichtigung: bei Bestand möglichst mit einer sachverständigen Begleitung, um Feuchteschäden, Rissbildung oder veraltete Leitungen zu erkennen; bei Neubau die Baubeschreibung mit dem tatsächlichen Baufortschritt abgleichen.
  4. Reservierung und Kaufvertragsentwurf: Der Entwurf sollte mindestens zwei Wochen vor dem Notartermin vorliegen, damit genug Zeit für Rückfragen bleibt.
  5. Notartermin und Beurkundung: Der Kaufvertrag wird verlesen und unterschrieben, anschließend veranlasst der Notar die Auflassungsvormerkung im Grundbuch.
  6. Kaufpreiszahlung: bei Bestand meist als Gesamtsumme nach Fälligkeitsmitteilung, bei Neubau in Raten nach Baufortschritt gemäß Makler- und Bauträgerverordnung.
  7. Übergabe und Grundbucheintragung: Schlüsselübergabe, Zählerstände dokumentieren, endgültige Eigentumsumschreibung folgt einige Wochen später.

Ein häufiger Fehler ist, den Notartermin zu früh anzusetzen, bevor Finanzierungszusage und Objektunterlagen wirklich vollständig geprüft sind. Wer hier Druck vom Verkäufer akzeptiert, verliert Verhandlungsspielraum bei Mängeln oder Fristen.

Kaufnebenkosten und Finanzierung realistisch einplanen

Neben dem Kaufpreis fallen in Hessen weitere Kosten an, die viele Käufer unterschätzen. Als grobe Orientierung – die genauen Sätze sollten vor dem Kauf beim Notar oder Finanzberater bestätigt werden:

KostenpositionUngefährer Anteil am Kaufpreis
Grunderwerbsteuerca. 6 %
Notar- und Grundbuchkostenca. 1,5–2 %
Maklercourtage (falls anfallend)ca. 3–3,6 % zzgl. Mehrwertsteuer

Bei Neubauprojekten ohne klassischen Makler entfällt die Courtage häufig, dafür sind die Quadratmeterpreise von Anfang an entsprechend kalkuliert. Banken verlangen für Bestandswohnungen meist eine vollständige Werthaltigkeitsprüfung inklusive Objektbesichtigung, während Neubaufinanzierungen stärker auf Bauträgerbonität und Fertigstellungsgarantien achten.

Ein typischer Finanzierungsfehler: Käufer kalkulieren nur den Kaufpreis und übersehen, dass Nebenkosten in aller Regel nicht über den Kredit mitfinanziert, sondern aus Eigenkapital gedeckt werden müssen. Wer mit zu knappem Puffer plant, gerät bei Bestandsobjekten mit Sanierungsstau schnell in Liquiditätsdruck, sobald zusätzlich zur Finanzierung noch Handwerkerrechnungen anfallen.

Kaufen zur Eigennutzung oder als Kapitalanlage zum Vermieten?

Nicht jeder Kauf dient dem Selbstbezug. Frankfurt hat wegen des großen Anteils an Bank- und Finanzbeschäftigten sowie internationalen Fachkräften eine konstant hohe Nachfrage nach Mietwohnungen, was den Kauf zur Kapitalanlage attraktiv macht. Wer eine Wohnung kauft, um sie später als Wohnung zu mieten anzubieten, sollte vor dem Kaufabschluss die erzielbare Miete anhand des örtlichen Mietspiegels realistisch einschätzen und nicht auf Basis der teuersten Vergleichsangebote kalkulieren.

Für Kapitalanleger sind Lagen mit stabiler Nachfrage – etwa in der Nähe von Bankenviertel, Messe oder Universitätscampus – oft planbarer als spekulative Neubaulagen am Stadtrand, bei denen sich die Infrastruktur erst noch entwickeln muss. Wichtig ist außerdem, die laufenden Kosten wie Hausgeld, Instandhaltungsrücklage und mögliche Sonderumlagen von der erwarteten Mieteinnahme abzuziehen, bevor man die Rendite bewertet.

Wer selbst noch auf der Suche nach der passenden Kaufwohnung ist, überbrückt diese Zeit häufig, indem er zunächst weiter zur Miete wohnt. Wer in dieser Phase eine Wohnung in Frankfurt mieten will, sollte auf befristete oder flexible Mietverträge achten, damit ein Auszug nach erfolgreichem Kaufabschluss ohne lange Kündigungsfristen möglich ist. Wer parallel eine Wohnung in Frankfurt zur Miete sucht und gleichzeitig kauft, sollte beide Fristen – Mietvertragskündigung und Notartermin – realistisch aufeinander abstimmen, damit keine doppelte Mietzahlung oder ungewollte Übergangslücke entsteht.

Kurz gefasst lohnt sich der Blick auf beide Perspektiven:

  • Eigennutzung: Lage nach persönlichem Alltag wählen, Zuschnitt und Sanierungszustand stehen im Vordergrund.
  • Kapitalanlage: Mietrendite, Nachfragestabilität und laufende Nebenkosten sind entscheidender als der persönliche Geschmack.

Typische Fehler beim Neubau- und Bestandskauf vermeiden

Bei Neubauprojekten liegt das größte Risiko in der Bonität und Zuverlässigkeit des Bauträgers. Vor der Unterschrift lohnt sich ein Blick auf frühere Projekte des Anbieters, auf realistische Fertigstellungstermine und auf die vertraglich vereinbarten Zahlungsraten nach Bauabschnitt. Wer die letzte Rate erst nach vollständiger Abnahme und Mängelbeseitigung zahlt, sichert sich zusätzlichen Verhandlungsspielraum bei Baumängeln.

Bei Bestandswohnungen entstehen die häufigsten Probleme durch unvollständige Informationen zur Eigentümergemeinschaft. Wer die Protokolle der letzten drei Eigentümerversammlungen nicht einsieht, übersieht mitunter bereits beschlossene, aber noch nicht umgelegte Sanierungsmaßnahmen. Eine zu niedrige Instandhaltungsrücklage ist ein weiteres Warnsignal, das oft erst nach dem Einzug in Form einer Sonderumlage sichtbar wird.

  • Baubeschreibung und Leistungsverzeichnis beim Neubau nicht nur überfliegen, sondern mit dem Musterwohnungs-Eindruck abgleichen
  • Bei Bestand energetischen Zustand und Heizungsalter konkret erfragen, nicht nur den Energieausweis als Formalität abheften
  • Reservierungsgebühren vor Vertragsunterschrift kritisch prüfen – sie sind rechtlich nicht immer verpflichtend
  • Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum in der Teilungserklärung genau abgrenzen, besonders bei Balkon, Stellplatz oder Kellerabteil

Beide Käufergruppen unterschätzen zudem regelmäßig die Zeit zwischen Reservierung und tatsächlicher Schlüsselübergabe. Wer parallel eine Kündigungsfrist für die aktuelle Mietwohnung laufen hat, sollte hier lieber zu vorsichtig als zu optimistisch planen.

Fazit

Die Entscheidung zwischen Neubau und Bestand in Frankfurt hängt weniger vom Trend ab als von der eigenen Priorität: moderne Ausstattung mit Bauträgerrisiko oder gewachsene Lage mit Sanierungsbedarf. Wer Finanzierung, Nebenkosten und die typischen Fallstricke der jeweiligen Kaufart vor dem Notartermin sauber durchrechnet, vermeidet die teuersten Überraschungen erst nach dem Einzug.

Zurück zu Immobilien kaufen