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Wohnung in der Nähe kaufen: Leitfaden

Eine Wohnung in der Nähe kaufen: Dieser Leitfaden erklärt Finanzierung, Besichtigung, Kaufvertrag und Notartermin in der richtigen Reihenfolge klar.

Anneliese Vogt 4 Min. Lesezeit

Wohnung in der Nähe kaufen: Leitfaden

Wer eine Wohnung in der Nähe kaufen möchte, sollte den Ablauf kennen, bevor die erste Besichtigung stattfindet: Finanzierung klären, Objekte vergleichen, Unterlagen prüfen, Kaufvertrag abschließen. Ob das Objekt zehn Gehminuten oder eine halbe Autostunde entfernt liegt, ändert an dieser Reihenfolge wenig – entscheidend ist, dass jeder Schritt zur richtigen Zeit passiert, damit keine teuren Fehler entstehen. Dieser Leitfaden führt durch die einzelnen Etappen, von der Budgetplanung bis zum Notartermin, und zeigt, was dabei häufig schiefgeht.

Budget und Finanzierung klären, bevor die Suche beginnt

Der erste Schritt ist keine Besichtigung, sondern ein Gespräch mit der Bank oder einem unabhängigen Finanzierungsberater. Wer ohne Finanzierungsbestätigung zu Terminen erscheint, verliert bei begehrten Objekten oft gegen Käufer, die sofort verbindlich zusagen können.

Zur Budgetplanung gehört mehr als der Kaufpreis selbst. Neben dem Eigenkapital sollten Kaufnebenkosten von grob 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises eingeplant werden – die genauen Sätze für Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch unterscheiden sich je nach Bundesland und sollten vorab beim Notar oder der Bank erfragt werden.

  • Eigenkapitalquote und maximalen Kreditrahmen mit der Bank abstimmen
  • Finanzierungsbestätigung oder Vorab-Zusage schriftlich einholen
  • Puffer für Renovierung, Umzug und Rücklagen einplanen

Ein häufiger Fehler: das Budget zu knapp kalkulieren und bei der ersten unerwarteten Position – etwa einer hohen Instandhaltungsrücklage – in Finanzierungsprobleme geraten.

Wo man passende Wohnungen in der Nähe findet

Die meisten Immobilienportale bieten eine Umkreissuche, mit der sich der Radius um Arbeitsplatz, Schule oder Familie exakt festlegen lässt. Sinnvoll ist es, Suchaufträge mit Benachrichtigung einzurichten, da attraktive Angebote in gefragten Lagen oft innerhalb weniger Tage vom Markt verschwinden.

Neben Portalen lohnt sich der direkte Kontakt zu lokalen Maklern, die oft Objekte kennen, bevor diese online erscheinen. Auch Aushänge, Nachbarschaftsnetzwerke und Bauträger vor Ort liefern häufig Hinweise auf Neubauprojekte oder Nachlassimmobilien, die nicht breit beworben werden.

Wer parallel überlegt, statt einer Wohnung ein Haus in der Nähe zu kaufen, sollte die Suchkriterien erweitern: Grundstücksgröße, Erschließungszustand und Bebauungsplan spielen dort eine größere Rolle als bei einer Eigentumswohnung und verlangen zusätzliche Prüfungen vor dem Kauf.

Besichtigung: Welche Unterlagen vor dem Kauf geprüft werden müssen

Eine einzige Besichtigung reicht selten aus, um sich ein verlässliches Bild zu machen. Ein zweiter Termin zu anderer Tageszeit zeigt oft Lärm, Lichtverhältnisse oder Parksituation realistischer als der erste Eindruck.

Bei Eigentumswohnungen gehören folgende Unterlagen zur Pflichtprüfung, idealerweise mit Unterstützung eines Anwalts oder Sachverständigen:

  • Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung
  • Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen
  • Höhe der Instandhaltungsrücklage und des monatlichen Hausgelds
  • Energieausweis und aktueller Grundbuchauszug

Bei einem Hauskauf treten zusätzlich Baugenehmigung, Grundstücksgrenzen und mögliche Altlasten in den Vordergrund. In beiden Fällen gilt: Wer Unterlagen ungeprüft lässt, übernimmt oft unbemerkt bestehende Sanierungsstaus oder laufende Beschlüsse mit erheblichen Folgekosten.

Kaufvertrag, Notartermin und Nebenkosten

Sobald ein Objekt überzeugt, folgt in der Regel eine unverbindliche Reservierung, dann der Entwurf des notariellen Kaufvertrags. Der Vertragsentwurf sollte spätestens zwei Wochen vor dem Termin vorliegen, damit genug Zeit bleibt, offene Fragen mit dem Notar oder einem Anwalt zu klären.

Zu den Kaufnebenkosten zählen typischerweise Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie gegebenenfalls Maklercourtage. Die genauen Prozentsätze variieren je nach Region und Vertragsgestaltung und sollten für die konkrete Transaktion beim Notar erfragt werden.

Ein häufiger Stolperstein: die Finanzierung ist zum Zeitpunkt der Beurkundung noch nicht final freigegeben, sodass der Zahlungstermin nicht eingehalten werden kann. Verkäufer reagieren darauf mit Verzugszinsen oder springen im schlimmsten Fall vom Vertrag ab, weshalb die Bankzusage vor dem Notartermin schriftlich vorliegen sollte.

Kaufen oder doch lieber eine Wohnung in der Nähe mieten?

Nicht jede Situation spricht für den Kauf. Wer beruflich noch unsicher gebunden ist oder das nötige Eigenkapital erst aufbaut, fährt oft besser damit, zunächst eine Wohnung in der Nähe zu mieten und die Kaufentscheidung um ein bis zwei Jahre zu verschieben.

Ein einfacher Vergleich hilft bei der Einordnung: Monatliche Miete plus Nebenkosten stehen den laufenden Kosten aus Kreditrate, Hausgeld beziehungsweise Instandhaltung und dem entgangenen Zinsertrag des gebundenen Eigenkapitals gegenüber. Erst wenn diese Rechnung über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren zugunsten des Kaufs ausfällt, lohnt sich der Schritt in der Regel finanziell.

Wer sich stattdessen für ein Haus in der Nähe entscheidet, sollte zusätzlich einkalkulieren, dass Instandhaltung dort vollständig in Eigenverantwortung liegt – anders als bei einer Eigentumswohnung, wo die Gemeinschaft Rücklagen bildet.

Fazit

Der Kauf einer Wohnung in unmittelbarer Nähe folgt einem klaren Ablauf: Finanzierung zuerst, dann gezielte Suche, gründliche Unterlagenprüfung und ein rechtzeitig abgestimmter Notartermin. Wer diese Reihenfolge einhält und sich bei Vertrag, Steuern und technischen Fragen fachkundig beraten lässt, vermeidet die meisten Fehler, die anderen Käufern teuer zu stehen kommen.

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