Wer in Frankfurt eine Wohnung kaufen möchte, kommt an einer soliden Finanzierung nicht vorbei – die Preise in der Bankenstadt gehören zu den höchsten in Deutschland, und Kreditinstitute prüfen Bonität und Eigenkapital entsprechend genau. Dieser Beitrag geht Schritt für Schritt durch, was vor der Kreditzusage geklärt sein muss, welche Kosten neben dem Kaufpreis anfallen und woran Finanzierungen in der Praxis am häufigsten scheitern.
Wie viel Eigenkapital braucht man für eine Eigentumswohnung in Frankfurt?
Als Faustregel gilt: Mindestens die Kaufnebenkosten sollten aus Eigenmitteln gedeckt sein, viele Banken sehen zusätzlich 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital gern. Bei Frankfurter Preisen für eine durchschnittliche Eigentumswohnung bedeutet das schnell einen sechsstelligen Betrag, den Käufer mitbringen sollten, bevor sie in konkrete Verhandlungen gehen.
Eine Vollfinanzierung ohne Eigenkapital ist auch in Frankfurt möglich, wird aber mit spürbar höheren Zinsen und strengeren Bonitätsanforderungen bezahlt. Wer wenig Eigenkapital hat, sollte vor der Wohnungssuche einen unverbindlichen Finanzierungscheck bei mehreren Banken oder einem unabhängigen Kreditvermittler einholen, um realistische Preisgrenzen zu kennen.
- Eigenkapitalquote 20 Prozent oder mehr: in der Regel bessere Zinskonditionen und mehr Verhandlungsspielraum bei der Bank.
- Eigenkapitalquote 10 bis 20 Prozent: übliche Konstellation, meist noch gute Konditionen bei stabilem Einkommen.
- Eigenkapital unter 10 Prozent: höhere Zinsaufschläge, oft zusätzliche Sicherheiten oder Bürgschaften nötig.
Ein häufiger Fehler: Käufer kalkulieren nur mit dem Kaufpreis und übersehen, dass die Bank die Nebenkosten meist nicht mitfinanziert. Wer diese Reserve nicht einplant, muss die Finanzierung kurz vor Notartermin nachbessern – oft unter Zeitdruck und zu schlechteren Konditionen.
Welche Kaufnebenkosten kommen in Frankfurt hinzu?
Neben dem reinen Kaufpreis fallen in Hessen mehrere Posten an, die zusammen schnell 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen können. Diese Summe sollte von Anfang an Teil der Finanzierungsplanung sein, nicht erst am Ende addiert werden.
- Grunderwerbsteuer: in Hessen ein fester Prozentsatz des Kaufpreises, der bei jedem Kauf anfällt und sich in den letzten Jahren nicht geändert hat, aber vor Vertragsunterzeichnung immer aktuell zu prüfen ist.
- Notar- und Grundbuchkosten: für Beurkundung, Eintragung und gegebenenfalls Grundschuldbestellung.
- Maklerprovision: sofern ein Makler beteiligt war, wird sie in der Regel zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt oder vollständig vom Käufer getragen – die genaue Regelung sollte im Exposé stehen.
Zusätzlich sollten Käufer eine Reserve für Modernisierung, Möblierung oder Umzug einplanen. Wer eine vermietete Wohnung als Kapitalanlage erwirbt, sollte zudem prüfen, ob laufende Mieteinnahmen die Finanzierung mittragen können, oder ob nach Auszug des Mieters eine Neuvermietung zu marktüblichen Konditionen realistisch ist.
Wie läuft die Kreditzusage der Bank ab?
Der Ablauf einer Immobilienfinanzierung folgt in der Regel einem festen Muster, das Käufer kennen sollten, um Verzögerungen zu vermeiden.
- Bonitätsprüfung: Einkommen, laufende Verbindlichkeiten und Schufa-Auskunft werden geprüft, meist anhand der letzten Gehaltsabrechnungen und Kontoauszüge.
- Finanzierungsbestätigung: Vor der Reservierung oder dem Notartermin verlangen Verkäufer und Makler häufig eine schriftliche Bestätigung der Bank, dass die Finanzierung grundsätzlich möglich ist.
- Objektprüfung: Die Bank bewertet die Wohnung selbst als Sicherheit, unter anderem über Lage, Baujahr, Zustand und gegebenenfalls den Beschluss der Eigentümergemeinschaft zu anstehenden Sanierungen.
- Vertragsangebot und Grundschuld: Nach positiver Prüfung folgt das konkrete Darlehensangebot, verbunden mit der Bestellung einer Grundschuld als Sicherheit für die Bank.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Objektprüfung: Bei älteren Häusern mit unklarer Instandhaltungsrücklage oder anstehenden Sanierungen kann die Bank den Beleihungswert niedriger ansetzen als den Kaufpreis, was die benötigte Eigenkapitalquote nachträglich erhöht. Es lohnt sich, Protokolle der Eigentümerversammlung und die Höhe der Rücklage schon vor der Reservierung einzusehen.
Bei der Zinsbindung sollten Käufer nicht nur auf den Nominalzins schauen, sondern auch auf Sondertilgungsrechte und die Flexibilität bei vorzeitiger Rückzahlung achten – beides kann über die Laufzeit einen deutlichen finanziellen Unterschied machen.
Kaufen oder erst weiter zur Miete wohnen?
Bevor die Finanzierung final steht, lohnt sich ein nüchterner Vergleich: Wer aktuell eine Wohnung in Frankfurt mietet, sollte die monatliche Kreditrate plus Instandhaltungsrücklage und Hausgeld der bisherigen Kaltmiete gegenüberstellen. In vielen zentralen Lagen liegt die reine Rate oberhalb der ortsüblichen Miete, was durch den langfristigen Vermögensaufbau und den Inflationsschutz ausgeglichen werden kann, aber nicht muss.
Wer sich noch nicht sicher ist, ob der Kauf jetzt der richtige Schritt ist, kann übergangsweise weiterhin eine Wohnung zur Miete in Frankfurt suchen und die Finanzierung parallel vorbereiten. Das verschafft Zeit, um Eigenkapital aufzubauen oder die passende Lage in Ruhe zu finden, ohne unter Verkaufsdruck eine Entscheidung zu treffen.
Einige Punkte sprechen eher für einen Verbleib zur Miete, andere klar für den Kauf:
- Für die Miete spricht: unsichere berufliche Planung, kurzfristig geplanter Ortswechsel, noch unzureichendes Eigenkapital.
- Für den Kauf spricht: langfristiger Wohnsitz in Frankfurt, stabiles Einkommen, ausreichend Eigenkapital für gute Kreditkonditionen.
Wer aktuell eine Wohnung mietet und über den Kauf nachdenkt, sollte außerdem den bestehenden Mietvertrag und mögliche Kündigungsfristen im Blick behalten, damit Auszug und Übergabe der neuen Wohnung zeitlich zusammenpassen. Gerade bei Eigenbedarfskündigungen oder befristeten Mietverträgen kann der Zeitdruck sonst die Verhandlungsposition beim Immobilienkauf schwächen.
Was geht bei der Finanzierung am häufigsten schief?
Die meisten Probleme entstehen nicht durch den Kreditzins selbst, sondern durch fehlende Vorbereitung. Wer die folgenden Punkte kennt, kann typische Verzögerungen vermeiden.
- Zu späte Bonitätsprüfung: Käufer schauen sich Wohnungen an, ohne vorher zu wissen, welchen Kreditrahmen die Bank überhaupt bewilligt – das kostet Zeit und manchmal die gewünschte Wohnung, wenn andere Interessenten schneller sind.
- Unterschätzte Nebenkosten: Wer nur den Kaufpreis finanziert plant, muss Notar, Grunderwerbsteuer und Maklerprovision zusätzlich stemmen können.
- Fehlende Reserve für die Eigentümergemeinschaft: Sonderumlagen für Dach, Fassade oder Aufzug können kurzfristig hohe Beträge fällig stellen, die nicht Teil der ursprünglichen Finanzierung waren.
- Zinsbindung zu kurz gewählt: Wer nach Ablauf der Zinsbindung eine Anschlussfinanzierung zu deutlich höheren Zinsen braucht, kann in finanzielle Engpässe geraten – eine realistische Einschätzung der eigenen Zahlungsfähigkeit über die gesamte Laufzeit ist wichtiger als der niedrigste Anfangszins.
- Keine Vergleichsangebote: Wer nur bei der Hausbank anfragt, verschenkt oft Verhandlungsspielraum bei Zinssatz und Sondertilgung.
Für Details zu Grunderwerbsteuer, Notarkosten oder aktuellen Zinsniveaus empfiehlt sich in jedem Fall eine individuelle Beratung durch Bank, unabhängigen Finanzierungsberater oder Notar, da sich einzelne Werte und Regelungen ändern können.
Fazit
Eine tragfähige Finanzierung für eine Eigentumswohnung in Frankfurt steht und fällt mit realistischer Eigenkapitalplanung, einer vollständigen Kalkulation der Nebenkosten und einer frühzeitigen Bonitätsprüfung bei der Bank. Wer diese Schritte in der richtigen Reihenfolge angeht und typische Stolperfallen wie Sonderumlagen oder zu kurze Zinsbindung kennt, geht mit deutlich mehr Sicherheit in Notartermin und Kreditvertrag.