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Haus kaufen in Schweden: Prozess und Anforderungen

Wer in Schweden Haus kaufen möchte, sollte Ablauf, Fristen und Kosten kennen – hier die konkreten Schritte vom Gebot bis zur Schlüsselübergabe.

Julia Hoffmann 6 Min. Lesezeit

Haus kaufen in Schweden: Prozess und Anforderungen

Wer in Schweden Haus kaufen möchte, braucht weder eine Aufenthaltserlaubnis noch die schwedische Staatsangehörigkeit – der Markt steht ausländischen Käufern grundsätzlich offen. Der Ablauf unterscheidet sich aber in mehreren zentralen Punkten vom deutschen Immobilienerwerb: Es gibt kein notarielles Beurkundungsverfahren, dafür ein öffentliches Bietverfahren, das den Preis oft treibt, und die Fristen bis zur endgültigen Bindung sind deutlich kürzer. Dieser Beitrag geht Schritt für Schritt durch, was zu tun ist, welche Unterlagen und Beträge unterwegs fällig werden und wo Käufer typischerweise ins Straucheln geraten.

Suche, Besichtigung und erste Kontaktaufnahme mit dem Makler

Der erste Schritt, um in Schweden ein Haus zu kaufen, führt fast immer über die großen Immobilienportale Hemnet und Booli, auf denen der überwiegende Teil aller Objekte gelistet wird. Anders als in Deutschland läuft praktisch jeder Verkauf über einen mäklare (Makler), der gesetzlich zu Neutralität zwischen Käufer und Verkäufer verpflichtet ist – er vertritt also formal nicht einseitig Ihre Interessen, auch wenn seine Provision vom Verkäufer stammt.

Vor der ersten Besichtigung (visning) lohnt sich ein Blick in die vom Makler bereitgestellten Unterlagen: Energieausweis, Objektbeschreibung, oft auch ein technisches Gutachten (besiktningsprotokoll) und bei Häusern mit Grundstück die Katasterangaben zur Grundstücksgröße und zu Wegerechten. Wer ernsthaftes Interesse hat, trägt sich in die sogenannte spekulantlista ein – die Liste der Interessenten, die über den weiteren Verlauf und neue Gebote informiert werden.

  • Häufiger Fehler: Käufer verlassen sich allein auf das Gutachten des Verkäufers, statt selbst einen unabhängigen Bausachverständigen zu beauftragen – gerade bei älteren Holzhäusern mit Keller oder Kriechkeller ein teurer Leichtsinn.
  • Häufiger Fehler: Die Lage abseits der Städte wird unterschätzt: Zufahrtswege, Brunnenwasser und private Abwasseranlagen (enskilt avlopp) verursachen laufende Kosten, die in der Anzeige nicht immer auffallen.

Wer aus dem Ausland kommt, sollte spätestens jetzt einschätzen, ob eine Besichtigung vor Ort nötig ist oder ob ein Vertrauter vor Ort die Begehung übernimmt – bei einem Fernkauf steigt das Risiko, bauliche Mängel oder störende Nachbarschaftsverhältnisse zu übersehen, deutlich.

Bieterverfahren und Kaufvertrag: Ab wann ist das Angebot bindend?

Der schwedische Immobilienmarkt kennt praktisch keine Festpreise. Stattdessen läuft der Verkauf über ein offenes Bietverfahren, die budgivning, bei dem Interessenten meist telefonisch oder schriftlich über den Makler nachlegen, bis niemand mehr überbieten will. Der ausgeschriebene Preis ist dabei oft bewusst niedrig angesetzt, um viele Bieter anzuziehen – wer haus in Schweden kaufen will, sollte also mit einem Endpreis deutlich über der Anzeige kalkulieren, besonders in gefragten Regionen rund um Stockholm, Göteborg und an der Westküste.

Anders als beim deutschen notariellen Kaufvertrag entsteht die rechtliche Bindung in Schweden bereits mit der Unterschrift unter den köpekontrakt. Ein Rücktrittsrecht danach existiert grundsätzlich nicht – wer unterschreibt, kauft. Üblich ist eine Anzahlung (handpenning) von rund 10 Prozent des Kaufpreises, die kurz nach Vertragsschluss auf ein Treuhandkonto des Maklers fließt und bei Rücktritt in der Regel verfällt.

  • Häufiger Fehler: Gebote werden im Eifer des Bietrennens abgegeben, ohne dass Finanzierung oder Bausachverständigen-Bericht schon vorliegen – da nach der Zusage kaum ein Weg zurückführt, sollte beides vor dem ersten Gebot geklärt sein.
  • Häufiger Fehler: Der Vertrag wird ohne beglaubigte Übersetzung unterschrieben, obwohl er ausschließlich auf Schwedisch verfasst ist; ein unabhängiger Übersetzer oder ein zweisprachiger Anwalt ist bei fehlenden Sprachkenntnissen keine Kür, sondern Pflicht.

Im Kaufvertrag werden üblicherweise auch der Übergabetag (tillträdesdag), mitverkaufte Einrichtungsgegenstände und eventuelle Vorbehalte – etwa der Widerruf, falls die Finanzierung bis zu einem bestimmten Datum nicht steht – festgehalten. Solche Finanzierungsvorbehalte sind verhandelbar, werden aber nicht automatisch angeboten; wer sie braucht, muss sie aktiv einfordern, bevor er unterschreibt.

Finanzierung: Was Käufer aus dem Ausland konkret brauchen

Wer sich entscheidet, in Schweden ein Haus zu kaufen, kann grundsätzlich auch als Nicht-Resident eine Hypothek (bolån) bei einer schwedischen Bank beantragen. In der Praxis verlangen die meisten Institute jedoch eine persönliche Identifikationsnummer (personnummer) oder zumindest eine Koordinationsnummer, ein schwedisches Bankkonto sowie einen Einkommensnachweis, der den strengen Bonitätsprüfungen (kreditprövning) standhält. Ohne festen Wohnsitz oder Einkommen in Schweden lehnen manche Banken die Finanzierung schlicht ab, andere verlangen einen höheren Eigenkapitalanteil.

Der gesetzlich vorgeschriebene Mindesteigenanteil liegt bei 15 Prozent des Kaufpreises; viele Banken setzen bei ausländischen Käufern in der Praxis eher 25 bis 50 Prozent an, um das Risiko zu begrenzen. Wer den Hauskauf in Schweden mit ausländischem Kapital finanziert, sollte zudem das Wechselkursrisiko einkalkulieren, da Kaufpreis, Anzahlung und laufende Raten in Kronen fällig werden, das eigene Einkommen aber oft in Euro anfällt.

  • Praktischer Hinweis: Ein Vorabgespräch mit einer schwedischen Bank oder einem unabhängigen Hypothekenvermittler (bolånemäklare) vor der ersten Besichtigung zeigt, welcher Kreditrahmen realistisch ist – ohne dieses Vorab-Okay wirkt jedes Gebot im Bietverfahren unglaubwürdig.
  • Häufiger Fehler: Käufer unterschätzen die Know-Your-Customer-Prüfungen (Geldwäschevorschriften): Banken und Makler verlangen lückenlose Nachweise zur Herkunft des Eigenkapitals, was bei Vermögen aus mehreren Ländern Wochen dauern kann.

Wer bar zahlt, umgeht die Bonitätsprüfung, muss aber trotzdem ein schwedisches Konto für die Kaufpreiszahlung einrichten und die Mittelherkunft gegenüber dem Makler belegen. Für alle, die haus kaufen Schweden ernsthaft planen, lohnt sich ein Finanzierungsplan, der auch Nebenkosten wie Maklerprovision, Übersetzung, Gutachten und die spätere Grundbuchgebühr einschließt – diese Posten werden im ersten Budget häufig vergessen.

Eigentumsübertragung, Lagfart und Nebenkosten nach der Übergabe

Am vereinbarten Übergabetag zahlt der Käufer den Restbetrag, erhält die Schlüssel und wird sofort Eigentümer – ein gesondertes Beurkundungsdatum wie beim deutschen Notartermin gibt es nicht. Innerhalb von drei Monaten nach der Übergabe muss der Eigentumswechsel beim staatlichen Katasteramt (Lantmäteriet) beantragt werden, das den sogenannten lagfart ausstellt – das schwedische Pendant zum Grundbucheintrag.

Für diese Eintragung fällt eine Stempelsteuer (lagfartskostnad) von in der Regel 1,5 Prozent des Kaufpreises für Privatpersonen an, dazu eine feste Bearbeitungsgebühr. Wer die Immobilie mit Kredit finanziert, benötigt zusätzlich einen Grundschuldbrief (pantbrev), für dessen Eintragung eine weitere Gebühr von rund zwei Prozent des besicherten Betrags anfällt – bei bereits vorhandenen Pfandbriefen auf dem Grundstück lässt sich dieser Betrag oft reduzieren, was ein guter Grund ist, die Grundstücksakte vor dem Gebot genau zu prüfen.

  • Häufiger Fehler: Die Frist für die Lagfart-Anmeldung wird versäumt, was zu Verzugszinsen führt; die Antragstellung sollte direkt nach der Übergabe erledigt werden, nicht erst nach dem Umzug.
  • Häufiger Fehler: Der Abschluss einer Gebäudeversicherung (hemförsäkring beziehungsweise villaförsäkring) wird bis nach dem Einzug verschoben – ab dem Tag der Schlüsselübergabe trägt der Käufer jedoch bereits das volle Risiko für Schäden.

Neben Steuer und Grundschuldgebühren kommen laufende Kosten hinzu: die kommunale Grundsteuer (kommunal fastighetsavgift), die als gedeckelter Fixbetrag statt als prozentualer Wert erhoben wird, sowie Kosten für Heizung, Wegunterhalt bei Anliegergemeinschaften und gegebenenfalls die Mitgliedschaft in einer Wassergenossenschaft. Diese wiederkehrenden Posten sollten vor der endgültigen Finanzierungszusage feststehen, damit die monatliche Belastung nach dem Einzug keine böse Überraschung ist.

Fazit

Wer in Schweden Haus kaufen will, sollte den Ablauf als straffe Kette begreifen: Recherche und unabhängiges Gutachten vor dem ersten Gebot, Finanzierungszusage vor dem Bietverfahren, sorgfältige Vertragsprüfung vor der Unterschrift – denn ab dem Kaufvertrag gibt es kein Zurück. Wer diese Reihenfolge einhält, Fristen für Lagfart und Versicherung im Blick behält und die Nebenkosten realistisch einplant, kommt ohne böse Überraschungen zur eigenen Immobilie in Schweden. Für die rechtlichen und steuerlichen Details der eigenen Transaktion bleibt eine lokale Rechtsberatung unverzichtbar, da sich Fristen, Steuersätze und Bankvorgaben ändern können.

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